Moin moin,
Ich habe am vergangenen Wochenende meinen ersten Wochenend-workshop mit den Kanes erlebt. Es war eine unglaublich tolle Erfahrung, die in die verschiedensten Bereiche meines Lebens strahlt und da Dinge bewegt, von denen ich einige mit euch teilen möchte.
Ich bin Lehrerin an einem Gymnasium. Ich liebe meinen Beruf, aber ich nehme ihn oft auch als extrem anstrengend wahr und bin meistens ziemlich gestresst. Im Unterricht sind ja oft tausend Dinge gleichzeitig zu regeln und im Blick zu behalten, so dass ich mental oft mehrere Dinge jongliere. Am Wochenende ging es ganz viel um Zuhören. Wirklich zuhören. Und am Montag ist mir aufgefallen, wie wenig wir in der Schule eigentlich zuhören. Wir reden den ganzen Tag, alle, aber zuhören? Hmmm.
Also hab ich am Montag früh mal zugehört, was meine Schüler zu sagen haben. Wahnsinn! Eine völlig neue Erfahrung, die ich schwer in Worte fassen kann, aber ich versuch’s mal: ich war so viel entspannter und einfach in dem Moment präsent und habe nicht mehr tausend Dinge auf einmal gemacht, sondern war da. Mehr nicht. Und es war auf einmal, als könnte ich durchatmen und loslassen und auf meine Schüler eingehen. Die Atmosphäre hat sich so entzerrt und wir hatten so viel Spaß zusammen und ich hatte das Gefühl, dass ich endlich das in den Blick bekomme, was eigentlich wichtig ist: meine Schüler.
Die sind irgendwie auch aufgeblüht. Bisher kannte ich den Effekt so deutlich nur in der anderen Richtung, nämlich wenn ich schlechte Stimmung mit in die Klasse schleppe, weil mich der Kurs direkt vorher auf die Palme getrieben hat und ich das nicht in der Pause ablegen konnte, sondern es dann auch noch die nächste Klasse abgekriegt hat. Aber diese Woche wurde deutlich, dass es auch anders geht dass meine eigene Gelassenheit so ausstrahlt, dass sich alles verändert. Nein, nicht verändert transformiert (ich muss mich an die Begriffe noch gewöhnen).
Das ist auch nicht beschränkt auf den beruflichen Sektor. Am Montagabend habe ich mit meiner Schwester telefoniert. Wir haben sehr engen Kontakt, auch wenn sie bei Frankfurt wohnt, und telefonieren sehr häufig. Sie ist auch Lehrerin, und ein erklecklicher Teil unserer Telefonate bestand aus so einer Dynamik, dass sie sich bei mir auskotzt, was der Schulalltag ihr schon wieder alles an Arbeit beschert hat und wie unmöglich ihre Schulleitung ist, und ich dann beisteuere, was bei mir alles nervig war (und da gibt es im Schulalltag eine ganze Menge, schließlich sind wir Lehrer Weltmeister im Nörgeln). Am Montag hat sie sich also beschwert, über alles Mögliche, und ich habe ihr zugehört. Und gemerkt, dass sie das offensichtlich gerade alles mal loswerden muss. Und dann habe ich gespürt, dass ich aber gar nicht darauf einsteigen muss. Es gab nichts zu nörgeln. Unglaublich!
All das fühlt sich so gut an. Entspannt und spannend gleichzeitig. Es juckt mich total in den Fingern, herauszufinden, was noch alles Magisches in meinem Leben passiert, wenn ich mich dafür öffne. Das verdanke ich den Kanes (wie allen klar ist, die das hier lesen), aber auch den anderen Leuten, die an dem Wochenende dabei waren, denn das intensive Wochenende mit so vielen tiefgehenden Kontakten zu wunderbaren Menschen klingt immer noch nach.
Danke!
Ein Lehrer von Hamburg